Prof. Dr. Sabine Schiffer
Selten habe ich eine so konstruktive Diskussion erlebt, die von großem Vorwissen, Erkenntnisinteresse und der Suche nach guten Lösungen für ein gleichwertiges Miteinander geprägt war.
Es war mir eine Freude, in Ihrer Zusammenkunft die schwierige Frage der (Un-)Vergleichbarkeit von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus zu erörtern. Selten habe ich eine so konstruktive Diskussion erlebt, die von großem Vorwissen, Erkenntnisinteresse und der Suche nach guten Lösungen für ein gleichwertiges Miteinander geprägt war.
Prof. Dr. Sabine Schiffer ist Leiterin des Institutes für Medienforschung in Berlin und lehrt im Fachbereich Journalismus und Kommunikation an der HMKW Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft in Frankfurt. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Medien- und Diskursanalyse, Strategische Kommunikation, Interkulturelle Kommunikation, Semiotik, Qualitative Methoden der Sozialforschung, Relation zwischen PR & Journalismus und Minderheitendarstellungen in Medien.
Prof. Dr. Sabine Schiffer
Leiterin des Instituts für Medienforschung, Berlin · HMKW Frankfurt
Dr. Florian Pfeil
Dr. Florian Pfeil ist Geschäftsführer des Weiterbildungszentrums Ingelheim gGmbH und Leiter der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung.
Unsere Gesellschaft ist durch Diversität gekennzeichnet:
Wir haben unterschiedliche Geschlechter, Hautfarben, Alter, Religionen, Überzeugungen, sexuelle Orientierungen. Wir sind groß oder klein, dick oder dünn. Wir lieben klassische Musik oder Heavy Metal, Mainz 05 oder Eintracht Frankfurt, Sushi oder Sauerkraut. Vielfalt ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft!
Aber Vielfalt führt auch immer wieder zu Konflikten. Solange wir als Gesellschaft miteinander reden, sind wir eine friedensfähige Gesellschaft. Deshalb ist Dialog so wichtig.
Und deshalb freue ich mich, dass es mit dem Maimonides Bildungswerk einen Akteur gibt, der sich dem Dialog – insbesondere dem interreligiösen und interkulturellen Dialog – verschrieben hat.
Dr. Florian Pfeil
Dr. Hüseyin Kurt
Ich bin überzeugt, dass das jüdisch-muslimische Bildungswerk Maimonides für die Füllung dieser Wissenslücke einen wichtigen Beitrag leisten wird.
Judentum und Christentum haben im Islam eine besondere Bedeutung und werden im Koran als Buchreligionen hervorgehoben. Auch wenn in Deutschland der Antisemitismus im Zusammenhang mit der NS-Zeit und dem Holocaust in den Schulen sehr ausführlich behandelt wird, ist die gemeinsame jüdische, christliche und muslimische Geschichte insbesondere für die in Deutschland heranwachsenden Generationen weitgehend unbekannt.
Ich bin überzeugt, dass das jüdisch-muslimische Bildungswerk Maimonides für die Füllung dieser Wissenslücke einen wichtigen Beitrag leisten wird. So kann die bis in die Gegenwart reichende und von Toleranz und Kooperation geprägte, viele Jahrhunderte alte jüdisch-muslimische Geschichte in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden und somit die Bekämpfung von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus unterstützen.
Dr. Hüseyin Kurt ist Mitglied der Kommunalen Ausländervertretung Frankfurt (KAV), Koordinator der Arbeitsgemeinschaft der Türkischen Moscheen in Frankfurt und Migrantenberater beim Frankfurter Verband für Alten- und Behindertenhilfe.
Dr. Hüseyin Kurt
Kommunale Ausländervertretung Frankfurt · AG der Türkischen Moscheen Frankfurt
Prof. Dr. Ralf Rothenbusch
Umso wichtiger ist es, in Begegnung und Dialog das Zusammenleben der Religionen zu lernen und die gemeinsamen Wurzeln zu entdecken.
Das Bildungswerk Maimonides, sein Engagement insbesondere für den jüdisch-muslimischen Dialog und die Menschen, die dafür stehen, habe ich durch die Kooperation mit dem Erbacher Hof, Akademie des Bistums Mainz, kennen und schätzen gelernt. In meiner jetzigen Arbeitsstelle als Leiter des Paulus-Hauses in Jerusalem, unmittelbar an der Altstadt mit ihrem jüdischen, muslimischen und christlichen Viertel, wird mir die Notwendigkeit und Natürlichkeit des Dialogs dieser drei monotheistischen Religionen jeden Tag bewusst und auch, wie bereichernd das Entdecken ihrer verwandten Überlieferungen und Lebensweisen ist.
Wir stammen aus einem gemeinsamen Raum, nicht nur geographisch, auch ideell, was die religiösen Erzählungen, Praktiken und Räume anbelangt. Das kann man hier in der für alle drei Religionen heiligen Stadt erleben und entdecken, auch wenn an der Oberfläche der Streit und die Abgrenzung zu dominieren scheinen. Umso wichtiger ist es, in Begegnung und Dialog das Zusammenleben der Religionen zu lernen und die gemeinsamen Wurzeln zu entdecken. Das braucht Geduld und Offenheit, es wird aber weit über das Religiöse hinausgehende Früchte tragen. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von „Maimonides“ wünsche ich Freude, Kreativität und einen langen Atem in ihrer Tätigkeit!
Prof. Dr. Ralf Rothenbusch war stellv. Direktor der Akademie Erbacher Hof des Bistums Mainz und leitet seit August 2021 für den Deutschen Verein vom Heiligen Lande das Paulus-Haus in Jerusalem. Inhaltliche Schwerpunkte seiner Arbeit sind Geschichte und Literatur der Bibel, biblisch-theologische Fragen und Bibelhermeneutik sowie der interreligiöse Dialog mit Judentum und Islam.
Prof. Dr. Ralf Rothenbusch
Leiter des Paulus-Hauses in Jerusalem
Prof. Dr. Ottfried Fraisse
Umso dringlicher ist diese Aufgabe in einem christlich-europäischen Kontext, der sich dankenswerterweise das jüdisch-muslimische Bildungswerk Maimonides verschrieben hat.
Die besondere Qualität der jüdisch-muslimischen Beziehungen über die Jahrhunderte bietet reiche Möglichkeiten, sicher geglaubte Auffassungen über „den Islam“ oder „das Judentum“ zu hinterfragen. Umso dringlicher ist diese Aufgabe in einem christlich-europäischen Kontext, der sich dankenswerterweise das jüdisch-muslimische Bildungswerk Maimonides verschrieben hat.
Prof. Dr. Ottfried Fraisse ist Lehrstuhlinhaber am Seminar für Judaistik / Jüdische Studien an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Seine Lehr- und Forschungsgebiete sind arabisch-jüdische Philosophie in den jüdischen Schriftkommentaren des Mittelalters, sephardische Juden unter muslimischer Herrschaft, die Wissenschaft des Judentums und moderne jüdische Philosophie.
Prof. Dr. Ottfried Fraisse
Lehrstuhlinhaber für Judaistik / Jüdische Studien, Universität Halle-Wittenberg
Dr. Giovanni Cicero Catanese
Der interreligiöse Dialog ist eine wesentliche Säule der interkulturellen Öffnung in der frühkindlichen Bildung.
Der interreligiöse Dialog ist eine wesentliche Säule der interkulturellen Öffnung in der frühkindlichen Bildung. In Kindertageseinrichtungen und Familienzentren erleben und beobachten Kinder die Vielfalt von Sprachen, Essgewohnheiten, gelebten Feiern, Trauern und nicht zuletzt von Werten und Religionen.
Dabei entwickeln Kinder Fragen und eigene Vorstellungen über die verschiedenen Lebensformen des Umgangs miteinander, den Ursprung des Lebens, die Existenz von Gott, den Sinn der Kriege und den Tod. In diesem Prozess werden sie von ihren Familien und Pädagog:innen begleitet, die nicht immer das Gefühl haben, kindgerechte Antworten anbieten zu können.
Das Bildungswerk kann mit seiner Reichweite an Kompetenzen und unter Berücksichtigung der UN-Kinderrechtskonvention einen wichtigen Beitrag in diesem Feld leisten und durch die Implementierung von pädagogischen Netzwerken und Expertisen die verschiedenen Akteur:innen im Prozess der Auslegung und Verwirklichung des interreligiösen Dialogs unterstützen.
Dr. Giovanni Cicero Catanese ist promovierter Dipl.-Pädagoge mit Schwerpunkt „Interkulturelle Pädagogik“. Er ist 2. Vorsitzender des Instituts für Interkulturelle Pädagogik im Elementarbereich (IPE) e.V. Mainz und Lehrkraft für besondere Aufgaben am Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln. Arbeits- und Forschungsgebiete: interkulturelle Bildung, Pädagogik der frühen Kindheit, frühe mehrsprachige Bildung, Fachberatung in Kindertagesstätten.
Dr. Giovanni Cicero Catanese
2. Vorsitzender des IPE e.V. Mainz · Universität zu Köln
Dr. Florian Pfeil
Solange wir als Gesellschaft miteinander reden, sind wir eine friedensfähige Gesellschaft. Deshalb ist Dialog so wichtig.
Unsere Gesellschaft ist durch Diversität gekennzeichnet:
Wir haben unterschiedliche Geschlechter, Hautfarben, Alter, Religionen, Überzeugungen, sexuelle Orientierungen.
Wir sind groß oder klein, dick oder dünn.
Wir lieben klassische Musik oder Heavy Metal, Mainz 05 oder Eintracht Frankfurt, Sushi oder Sauerkraut.
Vielfalt ist eine Bereicherung für unsere Gesellschaft! Aber Vielfalt führt auch immer wieder zu Konflikten.Solange wir als Gesellschaft miteinander reden, sind wir eine friedensfähige Gesellschaft. Deshalb ist Dialog so wichtig. Und deshalb freue ich mich, dass es mit dem Maimonides Bildungswerk einen Akteur gibt, der sich dem Dialog, insbesondere dem interreligiösen und interkulturellen Dialog, verschrieben hat.
Dr. Florian Pfeil ist Geschäftsführer des Weiterbildungszentrums Ingelheim gGmbH und Leiter der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung.
Dr. Florian Pfeil
Geschäftsführer Weiterbildungszentrum Ingelheim · Fridtjof-Nansen-Akademie
Prof. Dr. Johannes Bremer
Der Dialog zwischen Juden und Muslimen hat seine innere Grundlage in der Tora, den Fünf Büchern Moses.
Der Dialog zwischen Juden und Muslimen hat seine innere Grundlage in der Tora, den Fünf Büchern Moses, in die er über die gemeinsame Berufung auf Abraham als Stammvater von Juden, Muslimen und Christen eingeschrieben ist. Er liegt insofern im grundlegenden Interesse auch aller christlichen Konfessionen.
Die bischöfliche Akademie Erbacher Hof unterstützt daher die Anliegen und Ziele des jüdisch-muslimischen Bildungswerks Maimonides nachdrücklich und versteht sich als christlicher Kooperationspartner vor Ort in Mainz.
Prof. Dr. Johannes Bremer ist Lehrstuhlinhaber für Biblische Theologie an der Katholischen Stiftshochschule München und war bis 2023 Studienleiter an der Akademie Erbacher Hof, Mainz. Seine Schwerpunkte liegen in der Tora- und Psalmenforschung, der Auseinandersetzung mit sozio-ökonomischen Themen in der Bibel sowie in biblischer Archäologie und Geschichte. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt liegt im Thema „Land“ in der Bibel.
Prof. Dr. Johannes Bremer
Lehrstuhlinhaber für Biblische Theologie, Stiftshochschule München
Dagmar-Marie Sadzik
Vor diesem Hintergrund ist die Arbeit des Maimonides Bildungswerks als ein fundamentaler Meilenstein anzusehen.
Maimonides, der Namensgeber, gehörte zu den herausragendsten Persönlichkeiten des Mittelalters. Neben seinem Beruf als Arzt galt er nach einer intensiven Ausbildung in Philosophie und Theologie als Vermittler zwischen den Geschwisterreligionen Islam und Judentum. Im 13. Jahrhundert war es dann der Mönch Ramon Llull, der sich mit allen drei monotheistischen Religionen auseinandersetzte, und das in einer Zeit schärfster religiöser Streitereien.
In seinem Werk „Das Buch vom Heiden und den drei Weisen“, in dem sich ein gottsuchender Heide an einen muslimischen, jüdischen und christlichen Gelehrten wendet, finden sich Zeugnisse über Wissen, Verständnis und Toleranz zwischen den Religionen, die gerade heute wichtig sind. So werden Regeln beschrieben, die die Basis eines jeden Gesprächs sein sollten, nämlich „den anderen ausreden lassen, ihm zuhören, seine Meinung respektieren“.
Das ist gerade heute, mehr als 700 Jahre später, ein wichtiges Anliegen, denn die drei monotheistischen Religionen suchen mehr denn je nach Lösungen, die ein friedliches Miteinander ermöglichen. Vor diesem Hintergrund ist die Arbeit des Maimonides Bildungswerks als ein fundamentaler Meilenstein anzusehen.
Dagmar-Marie Sadzik, Oberstudienrätin a. D., ist nach ihrer Pensionierung als Kulturschaffende in verschiedenen Kontexten tätig.
Dagmar-Marie Sadzik
Oberstudienrätin a. D. · Kulturschaffende
Prof. Dr. Angelika Neuwirth
Umso wichtiger ist heute eine Initiative wie das Maimonides-Bildungswerk.
Obwohl der Schock von 9/11 zahlreiche Initiativen zu einer angemesseneren Kenntnis des Islam ausgelöst hat, ist der Ertrag doch auf akademische Relevanz begrenzt. Umso wichtiger ist heute eine Initiative wie das Maimonides-Bildungswerk. Moses Maimonides (1135/38–1204), der Namensgeber des Bildungswerkes, steht heute wie kein anderer symbolisch für das „Goldene Zeitalter“, das heißt für das kreative Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen auf der Iberischen Halbinsel unter islamisch-arabischer Herrschaft.
Heute, da die deutsche Gesellschaft wieder zunehmend eine religiöse und kulturelle Pluralität aufweist, ist ein Blick in die Geschichte des „Goldenen Zeitalters“ hilfreich. Denn es muss darum gehen, nicht nur „nebeneinander“ zu leben, sondern ein gemeinsames Kulturprojekt der Partizipation zu entwickeln, in dem die Andersheit der Nachbargruppen als Herausforderung begriffen wird, die einen neuen Blick auf das Eigene ermöglicht. Hierzu leistet das Bildungswerk einen entscheidenden Beitrag.
Prof. Dr. Angelika Neuwirth studierte Arabistik, Semitistik und Klassische Philologie an der Freien Universität Berlin sowie in Teheran, Göttingen, Jerusalem und München. Gemeinsam mit Dirk Hartwig verantwortet sie „Corpus Coranicum – Textdokumentation und historisch-kritischer Kommentar zum Koran“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Prof. Dr. Angelika Neuwirth
Arabistin und Koranforscherin · Corpus Coranicum, BBAW
Prof. Dr. Edmund Weber
Vielleicht könnte gerade das Bildungswerk zum Modell einer Belebung einer weltweiten Zusammenarbeit von Muslimen und Juden werden.
Die jahrhundertealten Beziehungen zwischen Judentum und Islam waren bis in die jüngere Zeit von Toleranz und Kooperation geprägt. Diese wahrhaft erstaunliche Geschichte sollte trotz aller politischen Probleme, die westlicher Antisemitismus und Kolonialismus hervorgerufen haben, fortgesetzt werden, nicht zuletzt in Deutschland, wo nunmehr Juden und Muslime dicht beieinander leben und beide von radikalen Kräften an Leib und Leben bedroht werden.
Vielleicht könnte gerade das Bildungswerk zum Modell einer Belebung einer weltweiten Zusammenarbeit von Muslimen und Juden werden. Es soll diesbezüglich nur daran erinnert werden, dass Islam und Judentum enge geistliche Verwandte sind, die beide aus dem Hause Abrahams stammen. Auch wenn Brüder und Schwestern miteinander streiten, bleiben sie dennoch Kinder desselben Vaters.
Prof. em. Dr. theol. Dr. phil. h.c. Edmund Weber ist Theologe und Religionswissenschaftler an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er ist Herausgeber des Journal of Religious Culture sowie der Reihe THEION – Studies in Religious Culture und Redaktionsmitglied von EURASIA.
Prof. Dr. Edmund Weber
Theologe und Religionswissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt